Römisch-Katholische Landeskirche des Kantons Aargau
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Aargauer Kirchen lehnen Volksinitiative „Gegen den Bau von Minaretten“ ab
Minarettverbot schürt Vorurteile und schützt den religiösen Frieden nicht
Die drei öffentlich-rechtlich anerkannten Aargauer Landeskirchen lehnen die Volksinitiative „Gegen den Bau von Minaretten“, über die am 29. November abgestimmt wird, ab. Ein generelles Minarettverbot widerspricht grundlegenden Werten unserer Gesellschaft und schränkt eine Glaubensgemeinschaft auf diskriminierende Weise ein. Die politische Diskussion im Vorfeld der Abstimmung kann dazu genutzt werden, Vorurteile zu schüren und ein Klima der Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz zu fördern.
Grundwerte für Alle
Die Initiative steht im Widerspruch zu zentralen Grundwerte unserer Gesellschaft. Minarette sind für Muslime wie Kirchtürme für Christen ein religiöses Symbol, das signalisiert: Hier wird Glauben gelebt. Den Bau von Minaretten generell durch die Bundesverfassung zu verbieten, ist diskriminierend. Gegen eine einzige Glaubensgemeinschaft gerichtete religiöse Ausnahmeartikel verletzen das Gebot der Rechtsgleichheit und die Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die Christkatholische, die Reformierte und die Römisch-katholische Landeskirche des Kantons Aargau treten gemeinsam für das Menschenrecht auf freie Ausübung der Religion ein. Sie sind sich bewusst, dass die Religionsfreiheit in vielen Regionen der Welt mit Füssen getreten wird. Darunter leiden religiöse Minderheiten – unabhängig davon, welcher Glaubensgemeinschaft sie angehören. Dass Christinnen und Christen Opfer von Gewalt auch in islamischen Staaten werden, kann und darf aber kein Grund für Vergeltung oder Unrecht in unserem Staat sein. Gerade das Wissen um diese Schwierigkeiten in anderen Ländern, nimmt unsere demokratische Gesellschaft in die Pflicht, die Religions- und Kultusfreiheit zu respektieren.
Integration und Dialog statt Verbote
Ein generelles Minarettverbot schürt Vorurteile und erschwert den Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften. Die überwiegende Mehrheit der rund 30‘000 Menschen muslimischen Glaubens in unserem Kanton ist gut in die Gesellschaft integriert.
In allen Religionen gibt es fundamentalistische und ausgrenzende Strömungen, aber in erster Linie eine auf friedliches Zusammenleben bedachte Mehrheit. Die Aargauer Landeskirchen ermutigen dazu, mit dieser Mehrheit das politische und religiöse Leben zu gestalten. Sie erinnern daran, dass auch Reformierte und Katholiken heute trotz Differenzen friedlich miteinander leben, obwohl sie sich noch vor 200 Jahren gegenseitig den Bau von Kirchtürmen verboten haben.
Verbietet die Schweiz in Zukunft den Bau von Minaretten, ändert sich nichts am persönlichen Glauben der Muslime, aber viel an ihrem Vertrauen in die Mitbürger und an den Rechtsstaat, der die Religionsfreiheit schützt. Fundamentalistische Muslime sähen sich in ihren Vorurteilen bestätigt, liberalere Gläubige fühlten sich abgelehnt und diskriminiert.
Problemen, die sich aus dem Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen in unserem Land ergeben, kann man nicht durch einseitige Verbote begegnen. Die Begegnung mit dem Fremden kann auf beiden Seiten Ängste hervorrufen und zu Konflikten führen. Aber Gesetze können Ängste nicht beseitigen. Der Weg, sie zu überwinden, ist der Weg der Integration, ist eine Kultur der Begegnung und des Dialogs.
Für die Aargauer Landeskirchen
• Claudia Bandixen, Präsidentin des Kirchenrats der Reformierten Landeskirche Aargau
• Barbara Kühne-Cavelti, Präsidentin des Kirchenrats der Römisch-Katholischen Landeskirche
des Kantons Aargau
• Christoph Sterkman, Bischofsvikar der Bistumsregion St. Urs
• Ernst Blust, Präsident des Kirchenrats der Christkatholischen Landeskirche des Kantons Aargau