Die Synodalen traten an der heutigen ordentlichen Frühjahrssitzung nicht wie sonst üblich im Grossratssaal in Aarau zusammen, sondern im Kloster Muri. Nach einer Führung durch die einmalige Klosteranlage begrüsste Martin Egli, Präsident der Synode und hiesiger Präsident der Kirchenpflege, die Synodalen in den «aargauischen Südstaaten». Im Anschluss richtete Gemeindeammann Josef Etterlin seine Grussworte an die Synode und brachte in seinem Referat den Synodalen die Region Muri näher.
Verantwortung im Umgang mit der Umwelt wahrnehmen
Im Zentrum der Synode, dem Parlament der Römisch-Katholischen Landeskirche des Kantons Aargau, stand der Beitrag der Kirche zum Schutz der Umwelt. Durchgeheizte und schlechtisolierte Kirchen machen Kirchen zu Energie-Grossverbrauchern. Gleichzeitig übersteigen die finanziellen Aufwendungen für Sanierungen nicht selten die Finanzkraft einer Kirchgemeinde. Mit der Schaffung des Ökofonds setzte die Synodale ein deutliches Zeichen für die Bewahrung der Schöpfung: Das Geschäft wurde mit nur einer Stimmenthaltung genehmigt. Ergreifen Kirchgemeinden künftig solche Massnahmen, erhalten sie Unterstützung durch speziell geschulte Energieberater sowie durch eine Kostenbeteiligung.
Geäufnet wird der Fonds aus einem einmaligen Gewinnvortrag der Rechnung 2008 in der Höhe von 500‘000 Franken. Aufgrund des guten Rechnungsergebnisses im letzten Jahr genehmigten die Synodalen eine weitere Einlage von 500‘000 Franken. Bereits ab Juli können Kirchgemeinden ihre Gesuche um Unterstützung bei der Landeskirche einreichen.
Gutes Ergebnis der Jahresrechnung 2009 und überarbeitete Wahl- und Abstimmungsverordnung im Hinblick auf Gesamterneuerungswahlen 2010
Einstimmig genehmigten die Synodalen die Jahresrechnung 2009. Das gute Ergebnis, die Rechnung schliesst mit einem Mehrertrag von 945‘732.66 Franken, wurde durch geringere Aufwendungen und das erfreuliche Jahresergebnis der Propstei Wislikofen, dem Bildungs- und Seminarhaus der Landeskirche, erzielt. Die Synodalen zeigten sich bei der Gewinnverwendung mit dem Kirchenrat einig und genehmigten die Rechnung einstimmig. 500'000 Franken gehen an den neu geschaffenen Ökofonds, ein Teil wird an die allgemeine Reserve zugewiesen und auf der Verwaltungsliegenschaft Aarau wird eine zusätzliche Abschreibung vorgenommen.
Im Hinblick auf die im Herbst anstehenden Gesamterneuerungswahlen in den 93 Kirchgemeinden und der Synode der Landeskirche wurde die aus dem Jahr 1965 stammende Verordnung über Wahlen und Abstimmungen an die heute geltenden politischen Rechte angepasst. Die Synode genehmigte die neue Verordnung einstimmig. Damit tritt sie auf den 1. Juli 2010 in Kraft. Stimm- und wahlberechtigt sind wie bis anhin römisch-katholische Personen im Kanton Aargau, die das 16. Altersjahr zurückgelegt haben und mindestens über eine Niederlassungs- oder Jahresaufenthaltsbewilligung verfügen. Die revidierten Paragrafen betreffen vor allem Bestimmungen über das Wahlprozedere.
Die Suche nach neuen Behördenmitgliedern gestaltet sich für Kirchenpflegen zunehmend schwieriger. Um diese im Hinblick auf die Wahlen 2010 zu erleichtern, macht neu der Flyer «Suchen Sie eine neue Herausforderung? – Engagement in der Kirchenpflege» auf die Tätigkeit der kirchlichen Exekutivbehörde aufmerksam.
Personelle Änderungen im Kirchenrat: Kirchenratspräsidentin Barbara Cavelti legt Amt nieder und das Ressort Jugendseelsorge bleibt vorerst vakant
Nach ihrer fast zehnjährigen Tätigkeit als Präsidentin des Kirchenrates hat Barbara Cavelti auf die Herbstsynode 2010 demissioniert. Eine berufliche Neuausrichtung bringt es mit sich, dass Barbara Cavelti das Amt des Präsidiums ausserhalb der ordentlichen Amtsperiode niederlegen wird. Der Präsident der Synode, Martin Egli, dankte Barbara Cavelti für die geleistete Arbeit. Eine Findungskommission wurde nun mit der Regelung der Nachfolge beauftragt.
Der freigewordene Sitz des scheidenden Kirchenrats Marcus Scheiermann bleibt aufgrund fehlender Kandidaturen vorerst vakant. Seit 2007 betreute Marcus Scheiermann im Kirchenrat das Ressort Jugendseelsorge.
Thema sexuelle Übergriffe in der katholischen Kirche beschäftigt die Katholiken im Aargau
Beschäftigt hat die Synode die derzeit schwierige Situation in der katholischen Kirche. Im Zuge derer haben sich die Kirchenaustritte im Aargau im ersten Quartal 2010 im Vergleich zu den Vorjahreszahlen verdoppelt. Kirchenratspräsidentin Barbara Cavelti informierte über die seit 2002 geltenden Richtlinien, wonach für die Kirchenpflegen als Anstellungsbehörde kantonales Recht gelte. Dieses sieht eine Anzeigepflicht vor. Betroffenen Personen würden sowohl seitens der Landeskirche als auch des Bistums Fachleute zur Verfügung stehen. Diese würden dem Berufsgeheimnis unterstehen und Betroffene beraten. Die Richtlinien werden derzeit überarbeitet und in Kürze publiziert. Barbara Cavelti bedauerte das Leid, welches mit diesen Vorfällen hervorgerufen wurde. Die momentane Situation sei auch für die vielen Menschen, welche sich in der Kirche engagieren würden, nicht einfach. Trotz Mängeln und Versagen erlebe sie in der Kirche viel Gutes.
Zum Abschluss der Synode sprach Abt Dr. Benno Malfèr aus der Abtei Muri-Gries-Sarnen zum Thema Werte und deren Bedeutung anhand der benediktinischen Regeln. Der Ruf nach Werten werde zunehmend lauter, denn die Menschen sehnten sich nach Orientierung an Werten für ihr Handeln. Das Thema Werte und Wertewandel begleitet die Synode seit längerem und wird dies nach dem anregenden Referat von Abt Dr. Benno Malfèr wohl noch weiterhin tun.
Muri, 9. Juni 2010 / CS
Medienbericht vom 9. Juni 2010
Die Beschlüsse im Einzelnen
- Validierung der Ersatzwahlen in die Synode
- Genehmigung Protokoll der Synode-Sitzung vom 4. November 2009.
- Genehmigung Jahresbericht 2009 des Kirchenrates.
- Genehmigung Jahresrechnung 2009 inklusive Fondsrechnung der Landeskirche.
- Bericht und Antrag des Kirchenrates betreffend Revision Verordnung über Wahlen und Abstimmungen:
a) Dem Antrag betreffend Genehmigung der Verordnung über Wahlen und Abstimmungen vom 5. Mai 2010 wird zugestimmt.
b) Dem Antrag betreffend Inkraftsetzung der Verordnung auf den 1. Juli 2010 wird zugestimmt.
- Bericht und Antrag des Kirchenrates betreffend Genehmigung des Ökofonds-Reglementes:
a) Dem Antrag betreffend Genehmigung des Ökofonds-Reglementes vom 5. Mai 2010 wird zugestimmt.
b) Dem Antrag betreffend Inkraftsetzung des Reglementes auf den 1. Juli 2010 wird zugestimmt.
c) Wahl eines Synodemitgliedes in den Fondsfachrat für die Zeit vom 1. Juli 2010 bis 30. Juni 2012: Gewählt wurde Christian Fluri, Vordemwald.
Fotos der Frühjahrs-Synode 2010 (Bilder: R. Wehrli)
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