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Kirche, Macht und Sexualität - Medienmitteilung vom 10.9.2010

Podium Wettingen

Angeregte Diskussion über Kirche und Sexualität am Podiumsgespräch in Wettingen (v.l.  Susanne Andrea Birke, Bernhard Lindner, Thomas Binotto)

Den Auftakt zur Veranstaltungsreihe «Sexuelle Ausbeutung in der Kirche» bildete die gestrige Podiumsdiskussion zum Thema «Kirche, Macht und Sexualität» in Wettingen. Durch den Abend moderierte Bernhard Lindner von der Fachstelle Bildung Mobil der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau. Im Anschluss an die Referate von Thomas Binotto, Chefredaktor des Zürcher Pfarrblattes «Forum» und Susanne Andrea Birke von der katholischen Frauenstelle Aargau diskutierten die Zuhörer. Fazit: Sexuelle Übergriffe finden überall statt und es gilt noch viel dagegen zu tun. Eingeladen zum Abend hatte die katholische Erwachsenenbildung Wettingen und die Fachstelle Bildung Mobil.


Thomas Binotto zeigte sich wenig erstaunt über die geringe Zuhörerzahl. Die Schlagzeilen seien vorüber und die Gesellschaft vom Thema erschöpft, die Probleme jedoch seien nicht verschwunden. Warnschilder für die katholische Kirche im Umgang mit sexueller Ausbeutung gelte es an verschiedenen Orten aufzustellen. Die rigiden Moralvorstellungen seien kaum einlösbar; dies berge die Gefahr des Vertuschens, was insbesondere der Kirche zur Last gelegt werde. Auf Vorwürfe reagiere sie mit Abschottung und vieles Handeln werde in der Kirche im Namen eines höheren Gutes begründet. Der heilige Geist werde zum Mr. Proper. Kontraproduktiv sei auch das Verstecken hinter dem Professionalismus: Die Kirche könne noch so viele Fachgremien bilden, Verantwortung sei nie delegierbar. Problematischer als die eigentliche Struktur der Kirche sei für ihn das Priesterbild in der Gesellschaft. Die Priesterweihe verleihe dem Priester eine Unantastbarkeit; bei Problemen, die auch eine Weihe nicht lösen könne, sei der Fall dann umso tiefer. Eine Chance für die Kirche sieht Thomas Binotto in der Laisierung der Priester. Ihnen soll Menschlichkeit zugestanden werden dürfen. Anstatt sich auf Nebenschauplätze zu begeben, gelte es gesunden Menschenverstand walten zu lassen und verantwortungsbewusst zu handeln.

Dass gewisse theologische Ansätze für Opfer eine Belastung seien, stellt Susanne Andrea Birke von der Katholischen Frauenstelle Aargau in ihrer Arbeit immer wieder fest. Opfern müsse eine theologische Selbstdeutung zugestanden werden. Sonst könne die Theologie für sie zur Bürde werden. In der Kreuz- und Opfertheologie sei das Verständnis von Sünde dann tückisch, wenn dieses zur Selbstaufgabe führe. Anstatt sich gegen die Gewalt aufzulehnen, würden solche Menschen dieses Kreuz auf sich nehmen und still erdulden. Es gebe wohl keine von Menschen getragene Institution, die gewaltfrei sei, so Susanne Andrea Birke. Täter würden sich Räume mit Zugang zu Kindern suchen. Jedoch würden gewisse Strukturen wie Hierarchie und Machtgefälle sexueller Ausbeutung Vorschub leisten. Die Kirche solle Sexualität als Lebenskraft fördern, anstatt eine rigide Sexualmoral zu vertreten.

Die zweite Podiumsveranstaltung zum Thema «Verantwortung übernehmen. Prävention und Intervention in der Praxis» findet am Donnerstag, 23. September 2010, statt. Fachleute aus Aargauer Organisationen und Vertreter von Landeskirche und Bistum diskutieren über Schutzmassnahmen und über die Unterstützung Betroffener. Die Veranstaltung kann ohne Anmeldung besucht werden und beginnt um 19.30 Uhr in der Kantonsschule Wettingen (Westschöpfe).

10.9.2010 / CS




Aufgeschaltet am 10. September 2010

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