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Almanya - Willkommen in Deutschland!


Almanya - Eine leichte Sommerkomödie, herrliche Unterhaltung, aber nicht ohne Tiefgang.


http://www.almanya-film.de


Drei Aspekte seien hervorgehoben:
1) Häufig beginnt eine Integrationsdebatte mit dem bekannten Frischzitat, wir hätten Arbeitskräfte gerufen, gekommen seien Menschen. Mit diesem Zitat endet der Film – jetzt aber ist diese Sentenz gefüllt mit Leben, Geschichten, Erinnerungen. Filmisch wunderbar die Traumsequenz(en) des bebrillten jüngeren Bruders, wie er sich diese Anwerbung (und anderes) vorstellt. Ein Alptraum hingegen, was dem Grossvater von der Einbürgerung schwant. Die klassische Verwechslung von Integration mit Assimilation (wobei auch die vielgerühmte Integration mit Fragezeichen zu versehen ist – spannender wäre ja eine Interaktion von Kulturen. Denn in welche „Mehrheitskultur“ gälte es sich zu integieren? Passender Lesetipp: Ilija Trojanov/Ranjit Hoskoté: Kampfabsage)

2) Eine andere Traumsequenz karikiert die religiösen Vorstellungen des Gastlandes. Ein augenzwinkernder Kommentar zur Kruzifixdebatte. Zarte Gemüter werden betupft Blasphemievorwürfe erheben, fraglich aber, ob nicht auch unsere eigenen religiösen Vorstellungen – wenn  wir uns diesen Anthropomorphismus gestatten – ob also nicht auch unsere Glaubenssätze bei Gott selber nicht immer nur ein Schmunzeln auslösen, sondern dann und wann auch ein Stirnrunzeln bis zu tiefen Sorgenfalten. Und, bezogen auf Andersreligiöses: Wer weiss, ob nicht auch unsere Vorstellungen der Religionspraxis anderer ähnlich verquer und verzerrt sind? Andrerseits darf durchaus von einander gelernt werden, wenn auch die Übernahmen selten ans Original heranreichen, sondern sich ausmachen wie ein struppiges dürres Tännchen zu einem ausgewachsenen Weihnachtsbaum (Sie werden es im Film sehen!).

3) Berührend, und allgemein menschlich, losgelöst von Kultur, Religion, Migration, die persönlichen Lebenswege. Vergleichen wir nur noch mal den bereits genannten bebrillten jüngeren Bruder, den Träumer. Wir kennen ihn, wie auch die andern ProtagonistInnen,  aus Rückblenden. Ich hatte bei ihm am meisten Mühe, ihn einer der Erwachsenen zuzuordnen. Er sollte jener gewesen sei, aus dem ein Geschiedener, Arbeitsloser, ja eine Art Gescheiterter geworden ist? Aus dem Träumer wurde der Desillusionierte? Und wenn wir uns selber anschauen? Was verbindet mich heute mit meinen  Phantasien als Kind? Wie weit sind wir selber die gleichen geblieben? Und doch schlummern tief in uns Kindheitserinnerungen und –träume. So freuen wir uns mit der Tochter, wenn sie in Istanbul Müllfrauen sieht, auch wenn sie dabei die Tragik ihrer eigenen Tochter übersieht…
Damit sind wir beim Und, und, und ... angelangt: Was es nicht alles auch noch zu erzählen und bemerken gälte – jeder aber wird anderes auch anders sehen. Probleme werden gezeigt – aber im Gegensatz zur Politik nicht bewirtschaftet, sondern gelöst, oder ausgesessen, ausgewachsen, überlebt. Was würde alles verpasst, vertan, wenn es nicht die Begegnung von Kulturen gäbe? Die Arbeitskräfte, die da aus der Türkei angeworben worden waren, beim Wirtschaftswunder, sie sind teils in dritter Generation angekommen, und beschenken uns, wie in diesem Fall, mit wunderbaren Filmen, wunderbaren Spiegelung. Etwa so, wenn wir im Abspann altbekannte Melodien hören, in unbekannter Sprache. Wir können uns hineinhören, hineinversetzen in andere. Und mitbekommen: So anders ist der andre ja nicht. Wo ist das Problem? ...
Thomas Markus Meier

 

 

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