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Der Indozeller

Ein Leben in zwei Welten

Franz Dähler
Appenzeller Verlag 2009

Seit den gut 15 Jahren, in denen ich aktiv bin im interreligiösen Dialog in der Schweiz, ist er mir immer mal wieder begegnet: Franz Dähler, ein bescheidener, hagerer grossgewachsener Mann, dann und wann das Wort ergreifend. Meist schöpfte er aus seinem Erfahrungsschatz aus seiner zweiten Heimat: Indonesien. Und irgendwie brachte ich ihn immer zusammen mit der Betlehem Mission.

Nein nein, er sei eigentlich Jesuit gewesen, erzählt er mir bei einem Zmittag im Moscheekomplex Emmmenbrücke. Jesuit und noch viel mehr. Suchender, Wagender, Fragender. Priester und Ehemann. Vater und Seelsorger. Dozent und Schüler.

Eigentlich lese ich selten Biografien. Und schon gar nicht Autobiografien von Lebenden. Entsprechend harzig gestaltete sich mein Lektüre-Einstieg. Muss das alles so erzählt werden? Detailverliebt, und dann doch nur summarisch angetippt. Mit Namen, die mir völlig unbekannt, und anderen, die berühmt oder wohlvertraut.

Aber ich tauche ein in Zeitgeschichte. Trotz Ausnahmeartikel in der Bundesverfassung (Jesuitenverbot), begegne ich dem Orden im Walliser Exil während und wegen dem Dritten Reich. Ich spüre Hunger und Zerstörung im Nachkriegseuropa. Nach 45 war nicht einfach alles glücklich und vorbei. Ich erlebe mit, wie sich das Zweite Vatikanische Konzil auswirkt: auf Seelsorge und Seelsorgende. Und ich mach mich mit auf den Weg in fremde, andere Welten.

Eigentlich bin ich anfangs nur dran geblieben, weil ich auf die interreligiösen Begegnungen wartete. Aber mit der Zeit nimmt mir die Art „Lebensbeichte“ den Ärmel rein. Das Leben und die Theologie sind halt nichts rein Theoretisches, sondern immer biografisch, erfahrungsgemäss verortet. Geerdet. Franz Dähler nimmt uns mit auf seine inneren und äusseren Wege. Und gibt so der interreligiösen Begegnung ein persönliches, menschliches Gesicht.

Thomas Markus Meier

Vom Jesuiten-Pater zum Familienvater
Franz Dähler

DRS 2: Perspektiven vom Sonntag, 7.2.2010
Sendezeit: 08.30-09.00 Uhr

Leidenschaft spielte im Leben von Franz Dähler eine zentrale Rolle. Im Beruf, bei Freundschaften und in der Liebe. Er verbindet das Appenzell mit Indonesien, das Priestertum mit der Ehe und das Christentum mit dem Islam. Er überschritt Grenzen, hinterfragte seinen Glauben und verweigerte unsinnige Befehle bei Kirche und Staat.

Unantastbar sind für den ehemaligen Jesuitenpater nur die Menschenrechte. Alles andere muss immer wieder neu überdenkt werden. Franz Dähler ist der Indozeller, mit einem Leben in zwei Welten.

Gesamte Sendung: Hören

 

 

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