Ilija Trojanow / Ranjit Hoskoté
Aus dem Englischen übersetzt von Heike Schlatterer
Karl Blessing Verlag, München 2007
ISBN-10 3896673637
ISBN-13 9783896673633
Gebunden, 240 Seiten, 17,95 EUR
Es gibt eine ganze Zeilete Bücher, die das arabische Erbe Europas in Erinnerung rufen (Bsp: Francesco Gabrieli: Mohammed in Europa; Sigrid Hunke: Allahs Sonne über dem Abendland). Von daher erzählt Trojanow nichts Neues, aber er erzählt neu und macht Lust, Altbekanntes erneut zu lesen. Und für sehr viele wird das eh nicht eine Auffrischung sein, sondern eben tatsächlich erfrischend neu.
Neu aber die entlarvenden Kapitel über die Negativseiten, wie Kulturen sich auch im Fragwürdigen, Bösartigen beeinflussen. Man lese das Kapitel „Das Ghetto des Geistes“. Hier taucht unvermutet europäisches Erbe auf im Islamismus. Fragwürdiges Erbe, dunkle Schatten Europas. Trotzki und Nietzsche stehen eher Pate für Islamisten als der Koran!
Man lese über den erwachenden Hindu-Nationalismus. Religionen sind ambivalent, sie können das Beste im Mensch herauskitzeln, aber auch an das Niedrigste appellieren. Kampfabsage deshalb eine wichtige Stimme in der aktuellen Debatte über (Leit-)Kulturen und Integration. Überhaupt: Was erwarten wir von der vielbeschworenen Integration? Spannender wäre ja eine Interaktion zwischen Kulturen. Das macht das Leben spannend und schafft Fortschritt. Darum auch der programmatische Untertitel: „Kulturen bekämpfen sich nicht – sie fliessen zusammen.“ Ins Stammbuch geschrieben sei – auch und grade im Wahljahr 2011: „Der erste Schritt zur Menschlichkeit besteht darin, seine Feinde nicht mehr zu verunglimpfen.“
Thomas Markus Meier