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Rilke und der Buddha - Die Geschichte eines einzigartigen Dialogs

Karl-Josef Kuschel    
Gütersloher Verlagshaus
1. Auflage 2010, 187 Seiten 
ISBN: 978-3-579-07020-9

Der Autor, Prof. Dr. Dr. h. c. Kuschel, lehrt Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs an der Kath.-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen.

Mich interessiert der geistige Austausch zwischen Religionen und Kulturen. Und mich interessiert, wie Dichtung religiöse Geheimnisse zwanglos und ohne Belehrung, weise und schön, zu berühren vermag und mich auf eine Spurensuche mitnimmt. In diesem Buch werde ich fündig.
„Und unten vor dem Fenster steigt der Kiesweg zu einem kleinen Hügel an, auf dem in fanatischer Schweigsamkeit ein Buddha-Bildnis ruht, die unsägliche Geschlossenheit seiner Gebärde unter allen Himmeln des Tages und der Nacht in stiller Zurückhaltung ausgebend ...“ So schreibt der Dichter Rainer Maria Rilke 1905 30jährig in einem Brief an seine Frau Clara Westhoff. Damals, im Dienst des grossen Bildhauers Auguste Rodin, bewohnt er auf dessen Landsitz bei Paris ein kleines Häuschen. Der Buddha-Statue im Garten widmet er drei Gedichte, die in der europäischen Literatur des 20. Jhds. seinesgleichen suchen.
Hier das erste als Kostprobe:
„Als ob er horchte. Stille: eine Ferne …
Wir halten ein und hören sie nicht mehr.
Und er ist Stern. Und andre grosse Sterne,
die wir nicht sehen, stehen um ihn her.
O er ist Alles. Wirklich, warten wir,
dass er uns sähe? Sollte er bedürfen?
Und wenn wir hier uns vor ihm niederwürfen,
er bliebe tief und träge wie ein Tier.
Denn das, was uns zu seinen Füssen reisst,
das kreist ihn ihm seit Millionen Jahren.
Er, der vergisst was wir erfahren
und der erfährt was uns verweist.“

Um zu verstehen, wie Buddha in die Welt eines christlichen Europäers wie Rilke kommt, nimmt uns der Autor mit auf eine Reise durch Leben und Werk des Dichters. Bevor er – mit vielen höchst interessanten Querverweisen bestückt – über die Buddha-Gedichte „nachdenkt“, belegt er: Rilke hat allein aufgrund von Anschauung, ohne je eine Zeile buddhistischer Literatur gelesen zu haben, das Wesen der Buddha-Natur erfasst. Und Rilkes Erfahrung erweist sich als religionskritisch: der Buddha will nichts offenbaren, wohl aber vorleben. Er drängt sich niemandem religiös oder ethisch auf, sondern ist als Person in völliger geistiger Konzentration Vorbild. Nicht Unterwerfung oder Anbetung löst er aus. Sondern er verweist auf diejenige ewige Wahrheit, die er als Erwachter erfahren hat: Gott ist die Wirklichkeit, die ganz elementar da ist, in sich ruhend, ganz im Gleichgewicht mit sich selbst. Und dieses göttliche Gleichgewicht kann in jedem Menschen selbst hergestellt werden.  - Ein Verweis in die Tiefe der menschlichen Seele und aller Dinge, in ein verborgenes Zentrum der Welt; ein Verweis, der ohne jegliche Dogmatik auskommt.

Claudia Nothelfer


Sendung auf DRS 2 hören: Perspektiven vom Sonntag, 29.5.2011, 08.30 Uhr
Erleuchteter Dichter: Rilke und der Buddha

Rainer Maria Rilke, gemalt von Paula Modersohn-Becker (Ausschnitt).


 

 

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