Über Heinz Altorfers 20 Jahre als Kirchenrat und seine Nachfolge

Heinz Altorfer wurde in der Jungwacht gross, war Scharleiter, sechs Jahre lang gar dessen Bundesleiter und Jugendseelsorger. Als der Zürcher via Zentralschweiz in den Aargau kam, ging es nicht lange, bis die hiesigen kirchlich Verantwortlichen auf ihn aufmerksam wurden. Via Präsidium der damaligen Kommission für Erwachsenenbildung stiess der Erziehungswissenschaftler 1999 zum Kirchenrat der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau. «Eine eigene Geschichte mit Kirche muss stattgefunden haben», findet Heinz Altorfer angesprochen auf seine Nachfolge ab 2021.

Den biografischen Bezug zu Kirche erachtet Heinz Altorfer zudem als wertvoll, «weil man dann weiss, was es braucht und sich bewusst ist, dass es auch schwierig sein kann.» Er selber hatte immer wieder Auseinandersetzungen in der Kirche. Dabei lernte er, dass man für seine Überzeugungen kämpfen muss, sich seine Freiräume nehmen kann und vor allem, dass es viele Gleichgesinnte gibt, mit denen zusammen sich etwas bewirken lässt. «Ich habe im kirchlichen Umfeld tolle, gescheite Menschen kennengelernt, die stets den Blick über die Realität hinaus behalten, optimistisch, glaubwürdig sind und sich mit Empathie engagieren.»

Anfänge, Meilensteine, Hürden
«Das Amt des Kirchenrats erfordert eine gewisse Unverfrorenheit und Lust am Risiko, im Wissen, dass das Scheitern dazugehört. Man wächst mit der Aufgabe.» Authentizität ist für den 70-Jährigen zentral: «Nicht eine Rolle spielen, sondern so auftreten, dass die Aufgabe mit mir als Person, meiner Erfahrung und Kompetenz übereinstimmt.» Heinz Altorfer ist mit höchst unterschiedlichen Menschen verbunden. Diese Beziehungsbreite brachte er in den Kirchenrat ein. Als Ressortleiter «Bildung und Propstei» war er nicht nur Verwalter, sondern auch Führungsperson. Er legte Wert auf einen kritisch-zustimmenden, ermutigenden Dialog mit den Mitarbeitenden. «Ich blicke zufrieden zurück im Empfinden, in diesem Ressort etwas bewegt zu haben. Die Fachstelle ‘Bildung und Propstei’ ist eine Kraft in der Aargauer Landeskirche.» Ermüdungserscheinungen zeigt Heinz Altorfer trotz der zwei Jahrzehnte als Kirchenrat keine. «Ich bin ein einfaches Gemüt. Probleme nehme ich als Herausforderung.» Selbstkritisch meint er jedoch: «Ich habe das Gefühl, dass es Situationen gibt, in denen die Distanz der strategischen Ebene zur Praxis nicht ganz einfach ist.»

Wenn du…
Auf die Frage, mit welchen drei unschlagbaren Argumenten er seine Nachfolge im Kirchenrat beziehungsweise im Ressort «Bildung und Propstei» motivieren würde, kreiert er spontan folgenden Dreisatz: «Wenn du daran glaubst, dass du in dieser Welt etwas bewirken kannst, hast du im Kirchenrat tolle Möglichkeiten mit Kolleginnen und Kollegen, die am gleichen Strick ziehen.»; «Wenn du willst, dass diese Kirche Zukunft hat, ist der Kirchenrat ein Sprungbrett, um Entwicklungen, insbesondere bei der Fachstelle, zu beeinflussen und so zu einer Kirche beizutragen, die funktioniert und Lust macht.»; «Wenn du weisst, dass du aus beruflicher oder ausserberuflicher Erfahrung Fähigkeiten hast, die dem Ressort ‘Bildung und Propstei’ nahestehen, kannst du spannende Prozesse mitgestalten.»

Auf ein Wort zu Heinz
Als «total schön» bezeichnet Heinz Altorfer den Respekt, die erlebte Wertschätzung und Kollegialität innerhalb des Kirchenrats. Seine Kolleginnen und Kollegen wiederum haben als Überraschung für diesen Beitrag Stichworte zu Heinz Altorfer zusammengetragen, auf die er frisch von der Leber weg, lachend und sichtlich berührt reagiert.

Ein unglaublicher Netzwerker, immer motivierend, immer spannend, enorm erfahren, immer der Sache als Ganzes verpflichtet. Man müsste ihn erfinden, wenn es ihn nicht schon geben würde. 
Wie wunderbar für meine Eitelkeit! Ich bin kein Einzelwerker, brauche das konstruktive Zusammensein, die Verschiedenheit. Es ging stets um die Erfahrung, wie wir eine Sache gemeinsam weiterbringen.

Heinz wird ab nächstem Jahr den Camino Wislikofen erschaffen.
Seit ich Kirchenrat bin, war ich jedes Jahr gut vierzehn Tage auf dem Jakobsweg unterwegs. Es ist diese Zeit, wo ich einfach für mich bin. Ob auf dem Camino oder anderswo: Ich gehe weiter, bleibe auf dem Weg.

Weisheit; die Fähigkeit, das Wesentliche einer Sachlage rasch zu erkennen und Lösungswege anzudenken; Ruhe.
Es gibt vielleicht Weise, die den Eindruck haben, weise zu sein. Daran zweifle ich. In mir ist stets eine emotionale Unruhe, eine Unsicherheit. Dem stelle ich mich. Das schafft Kreativität für Lösungen. Wenn es etwas anzupacken gilt, verfalle ich nicht in Aktivismus und schaffe keine öffentliche Aufregung, sondern achte auf Gesetztheit…eventuell bringt all dies doch Weisheit?

Goldiger Humor mit einer Prise Schalk gewürzt.
Ich bin selber weder ein Witzbold, noch habe ich ein breites Verständnis für Humor. Doch als Mittel zur Selbstdistanz, Selbstregulierung dient Humor. Es hat etwas Intellektuelles, auf der schiefen Ebene zu reden, ist Genuss, gar eine spirituelle Kraft, die Menschen in ein neues Denken bringen kann. So bleibt man nicht bei der Realität stehen, sondern erfährt, dass Unverrückbares durchaus verrückbar sein kann.

Er begegnet den Menschen sehr wertschätzend, auf Augenhöhe.
Ich bin interessiert am Gegenüber. Das kommt an. Wenn Menschen nur noch senden und nicht mehr zuhören, verliere ich das Interesse.

Monopoly, Jungwacht, St. Karliquai Luzern, Migros-Kulturprozent, Reisen, Jakobsweg, Camper, Stapferhaus etc.
Gremien hängen von den Menschen ab, die ihnen angehören. Jeder bringt seine Geschichte mit ein. Mein Interesse am Menschen war stets grösser als an seinem Amt.

Anregender, belesener Gesprächspartner ohne Allüren.
Ohne Allüren…das habe ich wahrlich noch nie gehört! Ich bin gerne in einer Position, wo man mir zuhört. Dahinter verbirgt sich aber keine Masche, keine eingeübte Rhetorik.

Was bleibt
Heinz Altorfer steckt mitten in der Arbeit als Kirchenrat, darum hat er noch keine Bilanz gezogen. Vor sechs Jahren wurde der dreifache Vater und mittlerweile Grossvater pensioniert. Daran angelehnt zieht er Parallelen: «Es wird viel bleiben, lebendige Kontakte und all die Nester, die ich hinterlassen habe und in denen es weiterbrütet.» Er will im Spiel bleiben. «In Transition in ein unbestimmtes Altern gilt es, Haltung zu entwickeln.» Will ausformuliert heissen: «Nicht planen, sondern Offenheit behalten und Risikofreude – trotz grauen Haaren. »

Bericht: Carmen Frei

 

Interessiert an der Nachfolge...

Interessierte an der Nachfolge Heinz Altolfer im Ressort «Bildung und Propstei» erhalten weiterführende Informationen zum Kirchenrat bei Luc Humbel, Kirchenratspräsident, oder Marcel Notter, Sekretär der Synode der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau