Man muss Menschen mögen, dann haben alle Platz.

Lieber Kurt, mehr als 20 Jahre warst du für die Kirche im Aargau in den verschiedensten Funktionen unterwegs. Du hast ein riesengrosses Netzwerk und unglaublich viel Erfahrung. Gerne stellen wir dir ein paar Fragen zu deiner Zeit bei der Landeskirche.

Rückblickend ...

Was war rückblickend dein grösstes Highlight oder die grösste Hürde während Deiner Zeit in der Landeskirche?

Highlights waren sicherlich die Ferienwochen für Alleinerziehende – eine Woche lang Alleinerziehenden, die es jahrein jahraus nicht  leicht haben, eine Woche anzubieten, dass sie die Seele baumeln lassen können und zurücklehnen dürfen. Ihnen gerade dies als kirchliches Angebot anzubieten, zeigt, dass wir als Kirche hier ein Zeichen setzen können.

Das Errichten einer Notschlafstelle war sehr erfreulich – auch wenn es traurig ist, dass wir solche Einrichtungen brauchen - diese mit anderen zusammen möglich zu machen und im Aargau ein gutes Angebot zu schaffen – und das in relativ kurzer Zeit, war wichtig und nötig.

 

An welcher deiner Stellen konntest du am meisten bewegen?

Das kann ich nicht sagen. An jeder Stelle habe ich versucht mein Bestes zu geben und mit Herzblut und Lachen zu bewirken was möglich war.

Gefreut hat mich natürlich, dass ich die Fachstelle Diakonie aufbauen durfte und vor allem, dass diese Fachstelle im Aargau eingerichtet wurde. Das diakonische Handeln der Kirche ist nach aussen immer noch zu wenig sichtbar.

 

Was wird Dir am meisten fehlen?

Das werden die vielen Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen sein.

Man muss Menschen mögen, dies war – auf jeder Stelle, die ich hatte - jahrelang meine Haltung und ich denke nur so bewirken wir etwas. Das Miteinander-tun war nicht immer ganz leicht, jedoch meistens mit Freuden gefüllt.

Das wünsch ich mir ...

Die letzten Jahre warst du Leiter der Fachstelle Diakonie – was wünschst du dir für diese Fachstelle?

Diakonie do it!

So habe ich angefangen und diesen Wunsch verbindet sich auch mit der Zukunft, die ich der Fachstelle wünsche. Vermehrtes sichtbar machen einer diakonischen Pastoral – dass alle Pastoralraum-Teams, die Fachstelle Diakonie und auch die anderen Fachstellen der Kirche im Aargau, nutzen.

… und natürlich auch weiterhin sichtbar machen, was wir mit unserer Bänkliaktion ins Leben gerufen haben: Bei uns haben alle Platz. Die Kirche muss – so meine ich – diesen Platz allen Menschen anbieten, egal welcher Herkunft, egal welcher sexuellen Ausrichtung; egal welchem gesellschaftlichen Status; egal …

Susanne, meiner Nachfolgerin, wünsche ich, dass sie Unterstützung bekommt und viel Freude an der Lebendigkeit des diakonischen Handelns hat.

 

Welche Wünsche hast du für die Zukunft der Kirche? Gibt es besondere Wünsche für die Kirche im Aargau?

Wir sind dann mal da – war ein Slogan, den wir von der Fachstelle Diakonie her, im letzten Jahr, lanciert haben. Dies müsste die Kirche vermehrt zeigen. Auch in einem stärkeren Auftreten, wenn es um politische Fragen geht, bei denen es um Rechte, Sorgen, Lebensqualität von Menschen geht.

Mehr Mut, in der Kirche wieder einen Pioniergeist zu zeigen. Neues wagen; Frauen und Männer befähigen zu handeln und nicht immer zu fragen, ob dies und das wohl möglich wäre.

Zum Abschluss ...

Dein Humor ist einzigartig und wird uns hier im Hause fehlen. Erzählst du uns zum Abschluss eine Anekdote?

Humor heisst auch lächeln und lachen – Charlie Chaplin hat mal gesagt: «Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag». Mir ist es enorm wichtig, meinem Gegenüber mit einem Lachen zu begegnen. Wenn wir miteinander über das gleiche Lächeln oder Lachen, haben wir schon einen kleinen Nenner gefunden, um einander begegnen zu können. Mit Humor nehmen, nicht alles hinterfragen, verhindert das Magengeschwür. Schliesslich stehen wir ja ein für eine FROH-Botschaft.

 

Auf was freust Du dich am meisten in deinem neuen Lebensabschnitt? Was wirst du im Ruhestand als erstes tun?

Ich freue mich riesig mehr Zeit zu haben für meine Familie und vor allem für meine drei Enkelkinder. Ich möchte gerne auch mal die Seele baumeln lassen … und dann? … einer schrieb mir: ich kann mir Kurt nicht vor dem Kamin mit Pantoffeln vorstellen … ich auch nicht.

 

 

Wir danken dir herzlich für dein Engagement und wünschen dir bereits heute und auf diesem Weg alles erdenklich Gute für den nächsten Lebensabschnitt.