Römisch-Katholische Landeskirche des Kantons Aargau
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Mit dem Aufruf «Stoppt den unfairen Handel: Rechtaufnahrung.ch» wurde am Samstag, 27. Februar 2010, in Lenzburg offiziell die ökumenische Kampagne 2010 der Hilfswerke «Brot für alle», «Fastenopfer» und «Partner sein» für den Kanton Aargau eröffnet. Mit der Konzertlesung «Spiel mir das Lied vom Brot» machten die Aargauer Landeskirchen, die Stadt und Kirchgemeinden Lenzburg auf unterhaltsame Weise auf die Themen Nahrung und Gerechtigkeit aufmerksam.
Mit Fairtrade gegen den unfairen Handel
«Durch die weltweite Vernetzung wissen wir über die soziale Not und den weltweiten Hunger Bescheid. Dass wir auch etwas gegen das Ungleichgewicht zwischen den Ländern des Nordens und des Südens tun können, zeigt uns die ökumenische Kampagne mit dem heutigen Abend auf lustvolle und kreative Weise.» Mit diesen Worten eröffnete Stadträtin Heidi Berner im Namen des Stadtrates Lenzburg die ökumenische Kampagne der landeskirchlichen Hilfswerke 2010 für den Kanton Aargau.
Das Recht auf Nahrung bleibt mehr als einer Milliarde Menschen verwehrt. «Stoppt den unfairen Handel: Rechtaufnahrung.ch» fordert zu ökologischem und sozialem Konsumverhalten auf und zeigt mit lokalen Handelsnetzen und Fairtrade Alternativen zu den Spekulationen, unfairen Handelsregeln und Eingriffen in die Agrarpolitik der Länder im Süden auf.
Dem Hunger eine Stimme geben
Mit Leichtigkeit verwebten die Mitwirkenden lateinamerikanische Rhythmen mit Erzählungen aus dem Alltag im Süden und realpolitischen Ansätzen. Unterhaltsam und gespickt mit feinem Humor machte die Konzertlesung «Spiel mir das Lied vom Brot» dem Publikum die Themen der Kampagne, Nahrung und Gerechtigkeit, «schmackhaft».
Die virtuosen Klänge und ausdrucksstarken Stimmen der Musiker von Grupo Sal erzählen von den Strömen heimatloser Menschen, von der Einsamkeit junger Menschen im Exil oder von den Unterdrückten und deren Mut aufzubegehren. Mit ihrer Spielfreude zogen die Musiker so manchen Zuschauer in ihren Bann.
Diese Klänge verwebten sich mit Geschichten über den Einfallsreichtum der Händler im Süden, erzählt von Katharina Morello. Im Zentrum standen an diesem Abend die kleinen Märkte und Menschen, die mit Willen und Kreativität ums Überleben kämpfen. Zurück von ihrem Aufenthalt in Simbabwe stellte Katharina Morello beim Einkauf im Supermarkt fest, dass «wir zu viel haben, schlicht viel zu viel!» und «dass weniger manchmal auch mehr ist».
Weltweit hungern eine Milliarde Menschen, obwohl die Landwirtschaft genügend Kalorien produziert, um die gesamte Bevölkerung zu ernähren. Was läuft schief? Die marktwirtschaftlichen Mechanismen in der globalen Nahrungsmittelproduktion sind nach Ruedi Baumann, ehemaliger Nationalrat und Präsident der Grünen Partei und heute Biobauer in Frankreich, mitverantwortlich für den zunehmenden Hunger. Ernährungssicherheit wird vor allem durch die regionale Landwirtschaft der selbstständigen Bauern garantiert und «darf nicht auf dem Altar des rücksichtslosen Welthandels geopfert werden», so Ruedi Baumann. Zunehmend würden die Bauern im Süden in die Abhängigkeit internationaler Konzerne und Kreditvergabeinstitute geraten. Im weltweiten Machtpoker hätten die Länder des Südens oft das Nachsehen: «Hungernde haben keine Stimme», so Ruedi Baumann.
Die Würdigung kleiner Schritte
Was nützt die Entwicklungshilfe? «Um den Hunger wirksam zu bekämpfen, braucht die Welt einen Süden ohne Komplexe», so Ruedi Baumann. Die Länder im Süden hätten genug von Heerscharen von Helfern aus dem Norden, die mit guter Absicht helfen wollten, aber kaum wüssten, was diese Menschen benötigen. Entwicklungshilfe könne nur funktionieren, wenn sie die Selbstbestimmung respektiere. Für eine wirksame Hilfe gebe es keine Patentrezepte. Es gelte die kleinen Schritte zu würdigen. Veränderungen bräuchten aber Zeit – und Träume. Als Beispiele wirksamer Alternativen nannte er die biologische Landwirtschaft, Mikrokredite, die Förderung der Menschenrechte und die internationale Entwicklungspolitik, welche sich für faire Spielregeln und Chancenausgleich einsetze. Als Konsumenten hätten wir es in der Hand, den fairen Handel zu fördern.
«Wenn einer allein träumt, bleibt es ein Traum. Träumen wir aber alle gemeinsam, wird es Wirklichkeit.» Mit diesem Zitat von Dom Hélder Câmara dankte Ursula Walti, Reformierte Landeskirche im Aargau, im Namen der Aargauer Landeskirchen den unzähligen Engagierten, die mit Suppentagen, Gottesdiensten und weiteren Aktionen in den Kirchgemeinden und Pfarreien die Kampagne unterstützen.
Mit Rosen und Brot ein Zeichen setzen
Am 13. März 2010 verkaufen Freiwillige im ganzen Kanton Max-Havelaar-zertifizierte Rosen. Der Erlös des symbolischen Preises von CHF 5.- pro Rose geht an Projekte in Peru und Burkina Faso. Mit den Rosen wird ein Zeichen für einen Welthandel gesetzt, der die Menschenrechte respektiert, die Umwelt nicht gefährdet und zur Armutsbekämpfung beiträgt. Während der ganzen Fastenzeit, welche bis Ostern andauert, verkaufen Bäckereien, Vereine und Jugendgruppen ein spezielles «Brot zum Teilen». Pro verkauftes Brot fliessen 50 Rappen in die Projekte von Fastenopfer und Brot für alle. Die Aktion wird vom Schweizerischen Bäcker-Konditorenmeister-Verband ideell unterstützt. - CS
Medienmitteilung (28.2.2010)