Abschlussfeier der Kirchenmusikschule Aargau in Windisch
Am 26. Juni 2026 fand in der katholischen Kirche Windisch die Abschlussfeier der Kirchenmusikschule Aargau (KMSA) statt. Es war ein musikalisch reich gestalteter Anlass, der von spürbarer Dankbarkeit und etwas Wehmut geprägt war. Der Anlass setzte den Schlussakkord unter einen Ausbildungsweg, der über 23 Jahre hinweg viele Menschen für den kirchenmusikalischen Dienst in Aargauer Kirchgemeinden und Pfarreien befähigt hat. Mit dem regulären Abschluss des letzten Lehrgangs im Sommer 2026 wird die ökumenisch getragene Schule geschlossen.
Entstanden war die Kirchenmusikschule Aargau KMSA kurz nach der Jahrtausendwende aus dem Wunsch, die bisher konfessionell getrennte kirchenmusikalische Ausbildung ökumenisch weiterzuführen. Eine Spurgruppe entwickelte innerhalb von vier Monaten ein neues Konzept, mit dem im August 2003 ein erster Pilotkurs startete. Im April 2005 wurde die Schule offiziell – mit von den Synoden bewilligten Statuten – gegründet.
Die zweijährigen, berufsbegleitenden Kurse waren bewusst niederschwellig gehalten, boten aber eine vollständige und abgerundete Ausbildung, die mit einem C-Diplom – Volldiplom (Orgel und Chorleitung), Chorleitungsdiplom oder Orgeldiplom – abgeschlossen werden konnten.
Zum Ausbildungsprogramm gehörten unter anderem Theorie, Sing- und Chorleitung, Liturgik, Hymnologie, Popularmusik, Orgelbau, Gregorianik, Einzelgesang und weitere Vertiefungsfächer. So wurden an der KMSA während 23 Jahren rund 130 Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker ausgebildet – Menschen ganz unterschiedlichen Alters und mit verschiedensten Lebenswegen, die sich für den Dienst in Kirchgemeinden und Pfarreien rüsten wollten.
Bei der Abschlussfeier in Windisch wurde dieser Weg mit grosser Wertschätzung noch einmal ins Bewusstsein gerückt. Organistin Iona Haueter, deren kirchenmusikalischer Weg sie einst auch an die KMSA führte, setzte mit dem Musikstück «Glocken» von Hans-Peter Braun den Ton für den Abend: Glockengeläut, das noch lange nachschwingt und ineinanderklingt. Anschliessend eröffnete Nathalie Leuenberger, Präsidentin der Schulkommission, die Feier offiziell, brachte ihr Bedauern über die notwendige Schliessung der KMSA zum Ausdruck und dankte allen, die die Schule über Jahre hinweg mitgetragen, mitgestaltet und weiterentwickelt hatten: den Gründungsmitgliedern, Lehrpersonen, Schulleitungen, der Schulkommission sowie den beiden Kirchenmusikverbänden und Landeskirchen.
Die Feier war reich an musikalischen und persönlichen Beiträgen. Die Lieder – «Chömed vo färn und nöch», welches im Stil eines irischen Folksongs den Bibeltext des grossen Gastmahls aufgreift, und das nachdenklichere «Wann wird er bloss wahr, der lang versprochene Friede» – wurden von Samuel Dietiker, Dozent der KMSA, aus dem Englischen beziehungsweise Niederländischen übersetzt und am E-Piano gemeinsam mit Melanie Häusler-Siegrist (Gesang) und Matthias Ackermann (Geige) vorgetragen.
Auch der Rückblick der drei Gründungsmitglieder Wolfgang Rothfahl, Veronika Kühnis und Christine Neuhaus reichte von beschwingt bis nachdenklich. Wolfgang Rothfahl brachte es mit den Worten auf den Punkt: «Eine Abdankung feiert man ja auch.» Ein Satz, der in seiner Schlichtheit genau das ausdrückte, was dieser Abend war: kein rein trauriger Abschied, sondern eine Feier des Geleisteten. Er plädierte dafür, auch künftig Musikerinnen und Musiker mit kirchlicher Ausbildung in Kirchgemeinden und Pfarreien einzusetzen und forderte Kirchenmusikerinnen und Musiker auf, sich nicht nur bei Gottesdiensten, sondern auch im weiteren Gemeindeleben zu zeigen, denn die Musik sei gemäss Martin Luther «eine gute Gabe Gottes».
Dankbar für das Erlebte und Erlernte blickte auch Tabea Plattner, eine der ersten Studierenden, zurück und öffnete ihren «Erinnerungsrucksack»: Die KSMA habe sie mehrmals aus ihrer Komfortzone geholt und eine neue Welt eröffnet.
Organistin Iona Haueter fing die Redebeiträge mit Sonate Nr. 1, Op. 27, Präludium – Andante – Finale, von Josef Gabriel Rheinberger gut auf: Die klaren Kontraste zwischen den Sätzen führten von einem würdevoll-ernsten Beginn, über einen stimmungsvoll-lyrischen Mittelteil zu einem kraftvoll-bewegten Abschluss.
Im Anschluss überbrachten Christian Bieri, Kirchenrat der reformierten Landeskirche, und Nadia Omar, ehemalige Kirchenrätin der römisch-katholischen Landeskirche, Dankesworte: Jedes Lied – selbst der längste Choral im Gesangbuch – gehe irgendwann zu Ende, sagte Christian Bieri. Der Schlussakkord sei nun doch schneller als erwartet gekommen. Man schaue jedoch auf eine gute Zeit zurück. Beide würdigten die Leistung der Gründungsmitglieder, der Lehrpersonen, der Schulleitung, der Schulkommission und der beiden Kirchenmusikverbände. Sie betonten, dass die Schliessung keine Abwertung des Erreichten sei, sondern eine Folge veränderter kirchlicher und finanzieller Rahmenbedingungen.
So sind die Studierendenzahlen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Studienabbrüche nahmen wegen der hohen zeitlichen Belastung zu. Hinzu kommt, dass ein wachsender Teil der Studierenden aus anderen Kantonen stammte: Die starke Subventionierung durch die Aargauer Landeskirchen machte die Ausbildung an der KMSA zwar attraktiv, doch der Nutzen dieser Ausbildung kam den Aargauer Kirchgemeinden und Pfarreien nicht immer zugute. Ein weiterer wichtiger Faktor war die ab 2026 verbindlich geltende neue Rahmenordnung des liturgischen Instituts der katholischen Kirche für das C-Diplom. Durch die Erhöhung der Ansprüche wäre die Schule in eine Richtung gedrängt worden, die ihrem bisherigen niederschwelligen und bewusst breit zugänglichen Profil nur schwer entsprochen hätte. Zusätzliche Kurse und damit auch eine stärkere Belastung der Studierenden sowie ein kostenintensiver Umbau der Stundentafel wären nötig geworden. Gleichzeitig stehen beide Landeskirchen unter zunehmendem Spardruck. Die jährlichen Beiträge von rund 40 000 Franken pro Landeskirche standen deshalb in einem immer ungünstigeren Verhältnis zur sinkenden Zahl an Absolventinnen und Absolventen. Unter diesen Bedingungen entschied die Schulkommission schweren Herzens, den Betrieb der KMSA auf Ende des Schuljahres 2025/26 einzustellen.
Trotz dieses schweren Entscheids überwog an der Abschlussfeier nicht die Trauer, sondern die Dankbarkeit. Die KMSA hat Menschen befähigt, Gottesdienste musikalisch mitzugestalten, Chöre zu leiten, Orgel zu spielen und kirchenmusikalische Verantwortung zu übernehmen. Beim anschliessenden Apéro, an einem heissen Sommerabend, kamen die rund fünfzig Anwesenden noch einmal ins Gespräch. Erinnerungen wurden ausgetauscht, Geschichten erzählt, Begegnungen aufgefrischt. So wurde an diesem Abend nicht nur eine Institution gewürdigt, sondern auch eine Kultur der vertrauensvollen ökumenischen Zusammenarbeit in bewegten Zeiten.
Für zukünftige Ausbildungsinteressierte bestehen weiterhin Möglichkeiten an anderen Ausbildungsorten, etwa an der Evangelischen Kirchenmusikschule St. Gallen oder im Studiengang Kirchenmusik an der Hochschule Luzern. Zudem können Ausbildungswillige im Aargau bei ihrer Landeskirche Stipendien für ihre Kirchenmusikausbildung beantragen.