Die Propstei Wislikofen startet ins Jubiläumsjahr
Am Samstag, 24. Januar 2026, wurde das Jubiläumsjahr der Propstei in Wislikofen feierlich eröffnet. Im Beisein von Kirchenpflegenden und weiteren Persönlichkeiten wurden die Jubiläumsfahnen gehisst.
2026 feiern wir das 50-jährige Bestehen der Propstei Wislikofen als Seminarhotel und Bildungszentrum der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau. Das ehemalige Tochterkloster vom Benediktinerkloster St. Blasien im Schwarzwald (D) wurde vom Kanton Aargau von 1973
bis 1975 saniert und im Jahr 1976 der Römisch-Katholischen Landeskirche des Kantons Aargau übereignet. Seit dann bietet die Propstei in Wislikofen Raum für Kurse, Tagungen, Retraiten, kirchliche und kulturelle Veranstaltungen sowie private Feiern und versteht sich als Ort der Gastfreundschaft und der spirituellen Begegnung.
50 Jahre Bildungshaus Propstei Wislikofen
Generalsekretär David Reichart fasst in seinem historischen Abriss in fünf Minuten fünf Jahrzehnte mit fünf Zitaten aus der Zeit der Gründung des „katholischen Bildungszentrums“ zusammen:
1) Bevor es eröffnet wurde, war der bauliche Zustand der Propstei so schlimm, dass es für den Aargau richtig peinlich wurde. Nationale Medien berichteten, und der Regierungsrat hat 1971 geschrieben: „Auch eine Fernsehsendung hat sich 1969 dem schimpflich vernachlässigten Wislikofen angenommen.“ Heute kann man sagen: Die Propstei wurde seither “löblich instandgehalten”.
2) Der Grosse Rat diskutierte dann, ob er die baufällige Propstei der Landeskirche übertragen solle und die Renovation mit einem Kredit über 2,3 Millionen Franken unterstützen solle. In der Grossratsdebatte vom 19. Oktober 1971, berichtete der Sprecher der Staatsrechtskommission: „Infolge gröblicher Vernachlässigung der Unterhaltspflichten befindet sich heute die Anlage großenteils in einem bedenklichen Zustand.“
3) Es ging im Grossen Rat dann auch darum, ob man zusätzlich zu den 2,3 Millionen auch die Teuerung ausgleichen solle. Diese hat in der Zeit der Ölkrise teilweise über 10 Prozent betragen. Grossrat Peter Kamm aus Rombach-Küttigen hat dagegen opponiert und hat gesagt: „Unser Staat leidet an Geldmangel. Andererseits schwimmt die katholische Kirche im Geld.“ – Andere Zeiten!
4) Ein anderer Redner, Dr. Isidor Bürgi aus Frick, sagte: „Dem Sinne nach ist es so, dass der Betrag von 2,3 Mio Franken sozusagen ein Göttibatzen ist.“ – einen solchen Göttibatzen vom Staat nähmen wir heute auch gerne, mit oder ohne Teuerung!
5) Schliesslich ist das Gebäude für total 7,5 Millionen saniert worden und 1976 als Bildungszentrum eingeweiht worden. Die Landeskirche berichtete: „Die Propstei Wislikofen – ein Lebens- und Glaubensraum: Das Bildungszentrum ist ein stolzer Leistungsausweis der Landeskirche.“
5 Zitate – manche erheiternd, manche eindeutig aus einer anderen Zeit. Was aber immer noch stimmt ist das letzte Zitat: Die Propstei Wislikofen ist seit 50 Jahren ein wichtiger Lebens- und Glaubensraum. Ein Ort, wo Menschen den Glauben ans Leben spüren. Ein Ort, wo Menschen ein Leben im Glauben pflegen können.
Die Jubiläumsveranstaltungen
Das Jubiläumsjahr wurde am 24. Januar 2026, um 12:00 Uhr feierlich eingeläutet und die Jubiläumsfahnen gehisst. Der Höhepunkt wird der Tag der offenen Tür am Sonntag, 14. Juni 2026, mit einem Programm für alle Generationen sein. Am 12. Juni 2026 begrüssen wir Pater Martin Werlen, Leiter der Propstei St. Gerold in Vorarlberg, zum Thema «Kirche umgekehrt» und am 17. September 2026 wird Pater Anselm Grün, Benediktinermönch und Autor, in einer hybriden Veranstaltung zum Thema «Alles in allem – was letztlich zählt im Leben» referieren.
Die Geschichte der Propstei Wislikofen
Die Anfänge der Propstei Wislikofen reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Damals baute ein alemannischer Siedler namens Wizilin einen Hof, der im Jahr 1113 von den Edlen von Waldhausen zusammen mit ihren weiteren Besitztümern in Wislikofen und weiteren kleinen Dörfern dem Benediktinerkloster St. Blasien in Deutschland geschenkt wurde. Gut 20 Jahre später errichteten die Benediktiner an dieser Stelle ein kleines Tochterkloster, aus dem die heutige Propstei Wislikofen hervorging. Während des Dreissigjährigen Kriegs (1618–1648), des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) und des Spanischen Erbfolgekriegs (1701–1714) diente diese Propstei den Mönchen aus St. Blasien als Zufluchtsort, da ihre Abtei im Schwarzwald mehrmals zerstört worden war. Im Jahr 1807 wurden sowohl die Propstei als auch das Mutterkloster St. Blasien aufgelöst. Die katholische Pfarrei Wislikofen erhielt die Kirche zur freien Benutzung. Der letzte Probst blieb dem Dorf als Pfarrer erhalten. Über einen Vermittler gelangte die Propstei im Jahr 1812 an den Kanton Aargau. Dieser sanierte die über 160 Jahre lang vernachlässigte und desolate Bausubstanz von 1973 bis 1975 und übergab sie 1976 unentgeltlich der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Aargau.
Seit 50 Jahren wird die Propstei als Bildungszentrum und Seminarhotel der Landeskirche genutzt. Sie bietet Raum für Kurse, Tagungen, Retraiten, kirchliche und kulturelle Veranstaltungen sowie private Feiern und versteht sich als Ort der Gastfreundschaft und der spirituellen Begegnung. Die Fachstelle Bildung und Propstei organisiert darin vielfältige Kurs- und Weiterbildungsveranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen, von Achtsamkeit und Kontemplation über Lektoren- und Kommunionspende bis hin zu Kirchenpflegetagungen, Kirchenentwicklung Kommunikation für Paare und Selbstmanagement. Das Bildungsangebot ist eduQua-zertifiziert und steht allen Interessierten offen. Das Seminarhotel beherbergt in den ehemaligen Klosterzimmern und verpflegt jährlich rund 7000 Gäste. Dazu gehören Gäste aus kirchlichen Veranstaltungen aber auch Hochzeitsgesellschaften, Schulseminare, Chöre, Vereine und Firmen. Auch die Propsteikirche wird dazu genutzt, unter anderem von der Pfarrei Wislikofen-Rümikon. Seit 50 Jahren ist die Propstei ein Ort des lebendigen und regen Austausches und des Gesprächs für ein fruchtbares Miteinander.