«Wie im Himmel, so im Aargau»:
Christliche Werte in unserer Gesellschaft

Unter dem Motto «Wie im Himmel, so im Aargau» präsentierte die Reformierte Kirche Aargau am 13. und 14. September, gemeinsam mit ihren Partnerkirchen, der Römisch-Katholischen und der Christkatholischen Kirche im Aargau, das breite Spektrum kirchlichen Wirkens. Neben Musik, Begegnung und einem vielfältigen Programm stand am Samstag die Frage im Zentrum, ob und wie christliche Werte heute noch das Zusammenleben prägen. Eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion beleuchtete das Thema aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Perspektiven.

In der Präambel der Aargauer Kantonsverfassung heisst es «Das Aargauer Volk, in der Absicht, die Verantwortung vor Gott gegenüber Mensch, Gemeinschaft und Umwelt wahrzunehmen, […] gibt sich nachstehende Verfassung.» Angesichts rückläufiger Mitgliedszahlen und des Bedeutungsverlusts der Kirchen stellt sich die Frage: Welche Rolle spielen christliche Werte heute noch?

Über diese Frage diskutierten am Samstag, 13. September 2025 Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesundheitswesen am gut besuchten Podium.

  • Moderiert wurde das Gespräch von Stephan Degen-Ballmer, Leiter Erwachsenenbildung der Reformierten Landeskirche. Er sagt: «Die Frage nach Grundwerten aus christlicher Perspektive ist aktueller denn je. In einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen unter Druck stehen, lohnt es sich zu fragen, wo und wie diese Werte unser Zusammenleben prägen – und wie wir sie heute leben können.»

Simmen aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesundheitswesen sassen auf dem Podium:

  • Martina Bircher, Regierungsrätin, Vorsteherin des Departements Bildung, Kultur und Sport:
    «Christliche Werte wie Nächstenliebe, Solidarität und gegenseitiger Respekt prägen das Zusammenleben in der Schweiz und im Kanton Aargau. Sie sind die Grundlage für eine Gesellschaft, in der sich die Menschen geborgen und angenommen fühlen. Die Reformierte Landeskirche Aargau leistet mit Seelsorge und sozialen Diensten einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt dieser Werte und fördert das Gemeinwohl unseres Kantons.»
  • Silja Burch, Kunsthistorikerin, Mitglied der Geschäftsleitung des Aargauer Kunsthaus:
    «Werte sind nur dann wertvoll, wenn ich sie lebe. Das heisst zum Beispiel, ich trage meinen Mitmenschen Sorge, trete für Gerechtigkeit ein, bin offen und tolerant. Und ich glaube daran, dass das In-Beziehung-Treten und der Dialog die Grundpfeiler für das Zusammenkommen der Gesellschaft sind.»
  • Stephan Feldhaus, langjähriges Vorstandsmitglied bei Roche, heute Priester der christkatholischen Kirche:
    «In einer Gesellschaft, in der wir immer mehr Spaltung und Polarisierung erleben und in der in zunehmender Weise Erfolge und Gewinne individualisiert und Verluste und Misserfolge sozialisiert werden, braucht es starke Stimmen, die gegen jeden gesellschaftlichen und politischen Trend ihre Stimme erheben: Die Würde eines jeden Menschen gilt unbedingt. Sie gilt unabhängig vom Alter, von der Herkunft, von der geschlechtlichen Orientierung oder von der persönlichen Erfolgsbilanz. Die Würde eines jeden Menschen gilt unbedingt, weil jeder Mensch von Gott in gleicher Weise geliebt und getragen ist.»
  • Claudia Rohrer, Rechtsanwältin, Stadträtin in Rheinfelden, Grossrätin;
    «Werte wie Nächstenliebe und soziale Gerechtigkeit sind zentral für unsere Gesellschaft. Obwohl Frieden für unsere Entwicklung unerlässlich wäre, prägen kriegerische Konflikte und Machtpolitik das Zeitgeschehen. In der Politik wünsche ich mir mehr Demut, das Anerkennen eigener Grenzen und die Bereitschaft, gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen. Die Kirche sehe ich als wichtige Partnerin darin.»
  • Beat Schläfli, CEO der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG):
    «Christliche Werte zeichnen sich aus durch Offenheit, Orientierung und Zuversicht. Im Gesundheitswesen leistet die ‹Spiritual Care› einen wichtigen Beitrag zu einer ganzheitlichen, interprofessionellen Versorgung von Patientinnen und Patienten.»
Aargauer-Kirchenfest Podium mit Moderator Stephan Degen, Claudia Rohrer, Stephan Feldhaus, Martina Bircher, Beat Schläfli und Silja Burch - Foto: JHD
Aargauer-Kirchenfest Podium mit Moderator Stephan Degen, Claudia Rohrer, Stephan Feldhaus, Martina Bircher, Beat Schläfli und Silja Burch - Foto: JHD
Die Kirchenratspräsidenten Pascal M. Gregor, der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau und Christoph Weber-Berg der Reformierten Landeskirche Aargau
Die Kirchenratspräsidenten Pascal M. Gregor, der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau und Christoph Weber-Berg der Reformierten Landeskirche Aargau
Vertreterinnen und Vertreter der drei Aargauer Landeskirchen, Politik, Kultur und Wirtschaft am Aargauer Kirchenfest.
Vertreterinnen und Vertreter der drei Aargauer Landeskirchen, Politik, Kultur und Wirtschaft am Aargauer Kirchenfest.

Das Aargauer Kirchenfest

Das Aargauer Kirchenfest vom 13./14. September 2025 ist Teil des Kirchenreformprozesses, den die Reformierte Kirche Aargau 2021 angestossen hat und der bis 2030 abgeschlossen sein soll. «Wie im Himmel, so im Aargau» lautet das Motto des Fests wie auch des Reformprozesses. Es greift den Satz aus dem «Unser Vater» auf: «Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.» Wie auf Erden, so eben auch im Kanton Aargau. Mit dem Aargauer Kirchenfest wurde das gemeinsame Unterwegssein im Kirchenreformprozess sichtbar.

Gebetsfahnen mit Bibeltexten begrüssten die Besucherinnen und Besucher – unter ihnen waren, besonders am Samstagabend, viele Jugendliche.
Bild: Marie-Christine Andres, Lichtblick NWCH

Markt der Möglichkeiten

Ein attraktives Bühnenprogramm, Kinder- und Familienangebote sowie ein Jugendprogramm und verschiedene Gottesdienste am Sonntagmorgen zogen unterschiedliche Altersgruppen an. Auf dem «Markt der Möglichkeiten» präsentierte die Reformierte Kirche Aargau ihre Vielfalt. Kirchgemeinden, Fachstellen – auch ökumenische wie die Fachstellen Diakonie, Katechese – Medien und Partnerinstitutionen wie benevol Aargau stellten sich und ihr Tun an interaktiven Ständen vor.