Gemeinsam unterwegs in anspruchsvollen Zeiten
Der Synodalrat der Römisch-katholischen Landeskirche Luzern zu Besuch beim Kirchenrat der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau
Wenn Vertreterinnen und Vertreter zweier kantonaler Kirchenleitungen zusammenkommen, geht es um mehr als um einen formellen Austausch. Die gemeinsame Sitzung von Kirchenrat Aargau und Synodalrat Luzern hat eindrücklich gezeigt, wie ähnlich die Herausforderungen sind – und wie wertvoll der offene Dialog über Kantonsgrenzen hinweg ist.
Im Zentrum standen die finanziellen Rahmenbedingungen, die beide Landeskirchen unterschiedlich fordern: Sinkende Einnahmen im Aargau gegenüber einer komfortablen Situation in Luzern, dank Kirchensteuern juristischer Personen. Steigende Erwartungen und komplexer werdende Aufgaben verlangen jedoch in beiden Kantonen klare Prioritäten, Mut zu Entscheidungen und eine ehrliche Kommunikation – nach innen wie nach aussen.
Dabei wurde insbesondere hervorgehoben, dass je nach System und Amtsstruktur unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden, etwa in Bezug auf Ressourcensteuerung, Präsidialwechsel und strategische Ausrichtung des Kirchenrats bzw. des Synodalrats. Es wurde erläutert, dass von den Kirchgemeinden erwartet wird, ihre Budgets klar auszurichten und nachvollziehbar zu planen, was in der Praxis anspruchsvoll sei. Gleichzeitig wurde angesprochen, dass Sparmassnahmen in Fachstellen und in der Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen – unter anderem der Caritas – Widerstände auslösen können, weil weniger finanzielle Mittel oft auch weniger Leistung bedeuten. Die soziale Verantwortung der Kirche bleibt ein zentrales Thema. Die enge Zusammenarbeit mit der Caritas, der gezielte Einsatz von Projektmitteln und der Blick auf wachsende soziale Ungleichheiten zeigen: Kirche versteht sich weiterhin als solidarische Akteurin im Dienst am Menschen.
Mitglieder des Synodalrats der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern treffen Mitglieder des Kirchenrats der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau in der Kirche der Propstei in Wislikofen. Im Bild von links nach rechts:
Charly Freitag (Synodalverwalter LU), Anita Berger (Kirchenrätin AG), Armin Suppiger (Synodalrat LU), Michael Jablonowski (Kirchenrat AG), Antonia Hasler (Regionalverantwortliche des Bistums Region St. Urs), Rebecca Benz Fahrni (stv. Generalsekretärin AG), Martin Rotzler (Kirchenrat AG), Nana Amstad-Paul (Synodalrätin LU), René Kaufmann (Assistent Synodalverwaltung, etwas versteckt), Thomas Räber (Synodalratspräsident LU), Sandra Huber (Vizepräsidentin Synodalrat LU), Pascal M. Gregor (Kirchenratspräsident AG), Simone Parise (Synodalrat LU), David Reichart (Generalsekretär AG), Carsten Mumbauer (Kirchenrat AG), Annegreth Bienz-Geisseler (Synodalrätin LU), Renata Asal-Steger (Synodalrätin LU) und Karin Wandeler-Wüest (Synodalrätin LU)
Strategische Projekte
Ein wichtiger Schwerpunkt ist das Projekt «Fit für die Zukunft – Vision 2045 und Strategie der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau». Es soll nicht als theoretisches Zukunftspapier dienen, sondern als realistischer Orientierungsrahmen: Wie kann Kirche auch in zwanzig Jahren noch glaubwürdig, handlungsfähig und gesellschaftlich relevant sein? Die Diskussion machte deutlich, dass es dabei um Strukturen ebenso geht wie um Haltung.
Ein Hoffnungszeichen in Luzern ist der Aufbau des «Forums der Religionsgemeinschaften», das den interreligiösen Dialog verbindlich, breit abgestützt und zukunftsorientiert gestalten will. Gerade in einer säkularer werdenden Gesellschaft wird diese Zusammenarbeit als wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt verstanden. Zur Sprache kam auch die Zukunft des Ökumenischen Instituts Luzern, das wegen Sparmassnahmen der Universität Luzern vor grossen Herausforderungen steht. Hier wurde ein neues Konzept erarbeitet, das eine Weiterführung als extern getragenes Institut ermöglicht, um die Finanzierung langfristig durch verschiedene Partnerinnen und Partner zu sichern.
Unterstützung von Kirchgemeinden
Im Austausch zur Situation in den Kirchgemeinden standen insbesondere Fusionen, Wahlprozesse und Unterstützungsleistungen im Fokus. Es wurde erläutert, dass Fusionen im Kanton Luzern bereits länger ein Thema sind und dass sich die Anzahl Kirchgemeinden in den letzten Jahren verringert hat beziehungsweise weiter verringern wird. In der Diskussion wurde betont, dass Fusionen grundsätzlich unterstützt werden, wenn der Wille vor Ort vorhanden ist, jedoch nicht flächendeckend aktiv eingefordert werden. Als unterstützende Instrumente in Luzern wurden Beratungsleistungen und finanzielle Unterstützung in frühen Phasen von Fusionsprozessen genannt. In Luzern sind im Gegensatz zum Kanton Aargau stille Wahlen möglich. Wahlverfahren, Fristen und die Sicherstellung einer ausreichenden Kandidierendenzahl bleiben organisatorisch und kommunikativ anspruchsvoll. Der gemeinsame Grundsatz ist klar: Fusionen sollen begleitet, nicht verordnet werden. Vertrauen, Beratung und Augenmass sind dabei entscheidend.
Spezialseelsorge
Während der Bereich der Spitalseelsorge im Kanton Aargau seit 50 Jahren in einem schweizweit einzigartigen Modell ökumenisch hervorragend funktioniert, gibt es im Kanton Luzern historisch gewachsen eine besondere Konstellation: katholische Seelsorgende in den Spitälern sind vom Kanton angestellt und bezahlt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass der Spardruck im Gesundheitswesen mittelfristig Veränderungen erwarten lässt. Als zusätzliche Herausforderung wurde beschrieben, dass die ökumenische Zusammenarbeit in diesem Bereich nicht überall gleich funktioniert und unterschiedliche Verständnisse von Spiritual Care und konfessionellem Profil zu zusätzlichen Abstimmungen und Aufwand führen.
Die gemeinsame Sitzung endete mit einem gemeinsamen Mittagessen. Ein Zeichen dafür, dass Austausch, Vertrauen und Beziehungspflege genauso wichtig sind wie Beschlüsse und Strategien.