Kirchenstatistik 2026: Weniger Austritte, mehr Eintritte
Die Römisch-Katholische Kirche im Aargau führt die jährliche Statistik über die Mitgliederzahlen der Kirchgemeinden. Nach einer Verdoppelung der Austrittszahlen im Jahr 2023 im Zuge der Veröffentlichung der Ergebnisse der von der römisch-katholischen Kirche Schweiz in Auftrag gegebenen Pilotstudie «Aufarbeitung Missbrauch», sinkt die Zahl der Austritte nach 2024 auch im Jahr 2025. Obwohl dieser Trend anhält und die Zahl der Kirchenmitglieder weiter sinkt, sind im Jahr 2025 erfreulicherweise 290 Menschen wieder in die Römisch-Katholische Kirche Aargau eingetreten und rund 800 wurden getauft.
Rund 740’000 Einwohnerinnen und Einwohner zählte der Kanton Aargau Ende 2025. Waren im Jahr 2024 noch mehr als 184’000 von ihnen Mitglieder der römisch-katholischen Kirche, sind es Ende 2025 noch 180’000. Die Zahl von 4’046 Austritten im Jahr 2025 ist jedoch die tiefste seit 2020. In den letzten fünf Jahren sind 27’522 Personen aus der Kirche aus- und 1’039 wieder eingetreten. Allein im letzten Jahr haben sich 290 Menschen entschieden, wieder in die katholische Kirche einzutreten oder aus anderen Religionen überzutreten (gegenüber 238 im Jahr 2024). Wie 2024 wurden auch 2025 rund 800 Kinder getauft, und es waren 1’903 Todesfälle zu verzeichnen (2024: 1’849).
Die Zahl der Austritte nimmt kontinuierlich ab. Bewegten sie sich in den Jahren 2020 bis 2022 noch zwischen 4’500-4’900 pro Jahr, waren es im letzten Jahr noch 4’046. Die intensive Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und die Massnahmen zur Prävention nach der Veröffentlichung der von der Römisch-Katholischen Kirche in der Schweiz in Auftrag gegebenen Studie «Aufarbeitung Missbrauch» im September 2023 stärken das Vertrauen in die Institution.
Das gesamtgesellschaftliche Engagement
Die Gründe sowohl für Wiedereintritte, Übertritte oder Austritte sind vielfältig und werden oft nicht genannt – und wenn, sind es häufig steuerliche Aspekte und die angespannte finanzielle Lage in den Haushaltungen. Geschätzt wird primär die seelsorgerische Arbeit in den Pfarreien. Dazu gehören Angebote der Jugendarbeit wie auch für die Gemeinschaft jeden Alters. Die Arbeit der Landeskirche wirkt überregional, wie die spezialisierte Seelsorge zum Beispiel in den Aargauer Spitälern, Kliniken und Heimen, die christliche Bildung und die Bekämpfung von Armut über katholische Hilfswerke wie die Caritas Aargau. Ein Anliegen der Landeskirche wie auch der Kirchgemeinden vor Ort ist auch die Bewahrung der Schöpfung durch finanzielle Unterstützung von Umweltprojekten oder der Unterhalt der kulturhistorischen Güter wie der über hundert Aargauer Kapellen. Mit der Kampagne «Kirchensteuer sei Dank» zeigt die Römisch-Katholische Kirche im Aargau auf der entsprechenden Webseite in einer interaktiven Karte des Kantons Aargau anschaulich, wohin die Steuereinnahmen fliessen. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung gehen die Kirchensteuern nicht an den Vatikan, sondern bewirken hier vor Ort Gutes für die Gesellschaft.
Der Reformprozess «Fit für die Zukunft»
Die Fortführung des von Papst Franziskus im Jahr 2021 weltweit ausgerufenen Synodalen Prozesses bleibt ein wichtiger Schwerpunkt der katholischen Kirche. Er soll die Einbindung aller Getauften in die kirchliche Entscheidungsfindung stärken und den Blick auf die Realität aktueller gesellschaftlicher und kirchlicher Entwicklungen halten. In der Schweiz eröffnete die Bischofskonferenz im letzten Jahr dazu die Synodale Erprobungsphase 2025–2029. Im Bistum Basel führt die Begleitgruppe «Synodaler Prozess» den Weg weiter, zum Beispiel mit den im Projekt «PEP to go» vorgezeichneten Entwicklungsschritten.
Die Aargauer Landeskirche lanciert in diesem Jahr das Projekt «Fit für die Zukunft – Vision 2045 und Strategie der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau». Mitglieder und Interessierte sind eingeladen, die Weichen für die kommenden Jahrzehnte zu stellen und die Frage zu beantworten: Wie kann die Römisch-Katholische Kirche im Aargau ihre Rolle, Leistungen und Strukturen so anpassen, dass sie auch 2045 das kirchliche Leben und kirchliches Engagement über den ganzen Kanton fördern und unterstützen kann? Aktuell läuft dazu eine Umfrage. In einem zweijährigen Prozess bis Ende 2027 sollen so Strategie, Leistungen und Strukturen basierend auf der Vision 2045 definiert werden, damit die Landeskirche auch im Jahr 2045 wirksam und glaubwürdig tätig sein kann.