Der Sozialpreis Aargau 2026 würdigt fünf Projekte, die mit Herz und Engagement das Leben anderer bereichern.
Manchmal braucht es jemanden, der einfach zuhört. Jemanden, der geduldig erklärt, wie das Smartphone funktioniert. Oder Menschen, die dafür sorgen, dass trotz einer Demenzerkrankung Lebensfreude und Gemeinschaft Platz haben. Hinter solchen oft unscheinbaren Momenten stehen engagierte Freiwillige. Fünf besonders eindrückliche Projekte wurden am Donnerstagabend, 15. Oktober 2026, im Saal der Katholischen Kirche in Lenzburg mit dem Sozialpreis von benevol Aargau und den drei Aargauer Landeskirchen ausgezeichnet. Der erste Preis ging an «Ankerplatz Demenz Fricktal», gefolgt von der «Computeria Wohlen» und dem «Jugendchor Seetal». Zwei weitere Initiativen erhielten Anerkennungspreise.
Mit dem Sozialpreis würdigen benevol Aargau und die drei Aargauer Landeskirchen seit 22 Jahren Menschen, die ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihr Herzblut für andere einsetzen. Zur 10. Durchführung bewarben sich 43 Projekte aus dem ganzen Kanton. Wie schon bei der letzten Austragung 2024 mit 47 Projekten zeigt auch diese Zahl eindrücklich, wie weitverbreitet und vielfältig freiwilliges soziales Engagement im Aargau ist. Bis zum 7. September konnte die Bevölkerung online mitbestimmen: Ihre Stimmen zählten zu einem Drittel, das Urteil der Jury zu zwei Dritteln. Die Jury setzt sich zusammen aus Vertretungen von benevol Aargau und von den Aargauer Landeskirchen sowie aus Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung, Medien und gemeinnützigen Projekten. Die ausgezeichneten Projekte stehen stellvertretend für viele Menschen im Aargau, die nicht wegschauen, sondern anpacken – und damit ein Vorbild für andere sind.
Drei Siegerprojekte, die Grosses bewirken
1. Platz: Ankerplatz Demenz Fricktal – Ein Ort voller Lebensfreude
Der Verein «teilhaben» zeigt mit seinem Projekt «Ankerplatz Demenz Fricktal», dass nicht die Demenzerkrankung im Vordergrund stehen muss, sondern der Mensch mit seinen Wünschen, Fähigkeiten und seiner Lebensfreude. Jeden Mittwoch schaffen Freiwillige einen Ort, an dem jung an Demenz erkrankte Menschen Gemeinschaft erleben, ihren Tag mitgestalten und sich angenommen fühlen können. Seit dem Start im Jahr 2025 sind bereits über 2500 Stunden Freiwilligenarbeit zusammengekommen. Dieses aussergewöhnliche Engagement wurde mit 5000 Franken ausgezeichnet.
2. Platz: Computeria Wohlen – Digitale Hürden gemeinsam überwinden
Ein Smartphone einrichten, ein Online-Formular ausfüllen oder eine digitale Dienstleistung nutzen – was für viele selbstverständlich ist, stellt andere vor grosse Herausforderungen. In der «Computeria Wohlen» des Kirchlichen Regionalen Sozialdienstes (KRSD) Wohlen und Umgebung der Caritas Aargau nehmen sich Freiwillige Zeit, erklären geduldig und helfen ohne Zeitdruck. Damit schenken sie den Menschen nicht nur digitales Wissen, sondern auch ein Stück Selbstständigkeit. Das Projekt erhielt 3500 Franken.
3. Platz: Jugendchor Seetal – Gemeinsam über sich hinauswachsen
Im «Jugendchor Seetal» verbindet Musik junge Menschen und lässt Gemeinschaft entstehen. Ob Gesang, Tanz, Theater oder Bühnentechnik – alle können ihre Talente einbringen und gemeinsam etwas Besonderes auf die Beine stellen. Möglich wird dies durch das grosse Engagement des Fördervereins Jugendchor Seetal, dessen Freiwillige über 3000 Stunden investieren. Dafür wurde das Projekt mit 2500 Franken ausgezeichnet.
Zwei Anerkennungspreise für Nähe und Begegnung
Neben den drei Siegerprojekten wurden zwei weitere Initiativen für ihren wertvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander mit einem Anerkennungspreis von jeweils 1000 Franken gewürdigt.
Anerkennungspreis: Generationen im Klassenzimmer –
Jung und Alt lernen voneinander
Beim Projekt «Generationen im Klassenzimmer» von Pro Senectute Aargau treffen Lebenserfahrung und kindliche Neugier aufeinander. Rund 430 Seniorinnen und Senioren begleiten Kinder in über 80 Aargauer Schulzimmern, unterstützen Lehrpersonen und bereichern den Schulalltag. Dabei profitieren beide Generationen voneinander.
Anerkennungspreis: malreden – Ein offenes Ohr gegen Einsamkeit
Dass bereits ein Gespräch viel bewirken kann, zeigt «malreden» des Vereins Silbernetz Schweiz. Das kostenlose und anonyme Telefonangebot richtet sich an ältere Menschen, die sich Austausch und ein offenes Ohr wünschen. Geschulte Freiwillige hören zu, schenken Aufmerksamkeit und helfen so, Einsamkeit entgegenzuwirken.
Ein Abend im Zeichen der Menschlichkeit
Die Preisverleihung war nicht nur eine Würdigung herausragender Projekte, sondern auch ein Abend voller Wertschätzung, Begegnungen und gemeinsamer Freude. Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter der nominierten Projekte, der Jury und der Trägerorganisationen kamen im Saal der Katholischen Kirche in Lenzburg zusammen, um das freiwillige Engagement zu feiern.
Grossratspräsident Urs Plüss überbrachte das Grusswort des Aargauer Parlaments, geprägt von Demut, Dankbarkeit und Hoffnung. Für die musikalische Umrahmung sorgte ein Ensemble der Kantorei Lenzburg. Beim anschliessenden Apéro bot sich Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
Insgesamt wurden Preisgelder von 13’000 Franken vergeben. Doch was die ausgezeichneten Projekte tatsächlich leisten, lässt sich nicht in Franken messen. Sie schenken Zeit, schaffen Begegnungen, stärken das Miteinander und vermitteln Zugehörigkeit, Zuversicht und das gute Gefühl, nicht allein zu sein.
Der Sozialpreis Aargau 2026 macht einmal mehr deutlich: Es braucht nicht immer grosse Taten, um Grosses zu bewirken. Manchmal beginnt alles damit, einfach für jemanden da zu sein.